Andraž Keršič hat einen Lehrauftrag an der Fakultät für Architektur in Ljubljana und betreibt seit 2019 gemeinsam mit drei Partner:innen ein Architekturbüro. Sein Markenzeichen sind gut durchdachte, einfache und nachhaltige Lösungen. Hier verrät er dir seine liebsten Hotspots in der slowenischen Hauptstadt und wo er sonst noch gerne im Land unterwegs ist.
Andraž Keršič arbeitet am liebsten mit Materialien, die gut altern und mit der Zeit an Schönheit gewinnen. Er schätzt das handwerkliche Können und ergänzt es durch den Einsatz moderner Techniken und Technologien. Architekt zu sein bedeutet für ihn, Geschichte zu verstehen, sie für die nächsten Generationen aufzubereiten oder neu zu interpretieren.
Der junge slowenische Mitbegründer von a2o2 arhitekti ist überzeugt, durch das Verständnis und den Respekt für die Vergangenheit im Heute bessere Entscheidungen treffen zu können. Hier führt er dich zu erstklassischer Architektur in the middle of nowhere, zu einem Küchenchef, der zugleich Künstler ist und zu den angesagtesten Bars im Herzen von Ljubljana.
Ljubljana-Guide vom Architekten
Deine Arbeit ist eng mit der slowenischen Kultur und ihren Traditionen verbunden. Welche aktuellen Entwicklungen in Slowenien inspirieren dich?
Langlebigkeit und handwerkliches Können gewinnen immer mehr an Bedeutung. Und für uns als Architekturbüro ist die Aufmerksamkeit, die traditionelles Handwerk neuerdings erfährt, eine wichtige Inspirationsquelle. Die gleiche Entwicklung lässt sich aber auch in der Gastronomie, der Mode oder im Design beobachten.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist für mich die Weitergabe von Wissen, insbesondere über den Umgang mit althergebrachten Materialien und Techniken. Ich denke dabei an die Korbflechterinnen, denen ich jeden Samstag Vormittag am Wochenmarkt in Ljubljana über die Schulter schaue.
Nachhaltigkeit rückt in der Hotellerie zunehmend in den Mittelpunkt. Welche Gastgeber*innen in Slowenien sind in deinen Augen echte Pioniere?
Ein gutes Beispiel für mich ist Kambra, ein sorgfältig renoviertes, rund 400 Jahre altes Natursteinhaus im slowenischen Karst. Dort kümmert man sich intensiv um die Gäste, das geht bis ins kleinste Detail, ich denke nur an die Lavendelkissen für die Wäsche. Außerdem werden Gäste dabei unterstützt, die Umgebung bewusst zu erleben – vom Handwerk bis hin zur Geschichte der Region.
Ein völlig anderes Beispiel ist das Schloss Grad in Goričko im Nordosten des Landes. Wer hier übernachtet, wacht in den historischen Gemäuern eines weitläufigen Schlosses auf, das nur teilweise renoviert wurde und einsam in einer malerischen Hügellandschaft liegt.
Ulica Ivana Pengova 22
1230 Domžale
Slowenien
Grad 191
9264 Grad
Slowenien
Und welche Tipps für nachhaltige Gastronomie hast du?
Was Gastronomie betrifft, kommen mir einige sehr unterschiedliche und interessante Restaurants in den Sinn, die saisonal wechselnden Menüs anbieten. „Catch oft the day”, der tägliche Fang vom Fischmarkt in Triest, wird von Shin Sato im Camut eigenwillig interpretiert. Der Küchenchef ist zugleich Künstler – eine Verbindung, die sich sowohl in der Gestaltung der Räume als auch in seinen Gerichten widerspiegelt. Er kocht mit dem, was die Saison und der Tag bereithalten, lässt sich von der Tradition inspirieren und gibt dabei immer auch seiner Kreativität freien Lauf.
Das Stella Maris ist eine sehr beliebte Kantine direkt im Hafen von Koper, bekannt vor allem für frischen Tagesfang, entspannte Atmosphäre und den Blick aufs Meer. Ich bestelle da immer Fritto misto oder einfach nur frittierte Calamari. Bei Fine Dining wiederum ist die Restavracija Mangrt mit dem wohl schönsten Blick auf die Julischen Alpen mein Favorit. Für den kleinen Hunger gehe ich meist in die Bäckerei Osem. Dort würde man niemals Kirschtomaten auf die Foccaccia legen, wenn sie gerade nicht Saison haben.
Kazlje 5
6210 Sežana
Slowenien
Ukmarjev trg
6000 Koper
Slowenien
Log pod Mangartom 57,
5230 Bovec
Slowenien
Stari trg 17
1000 Ljubljana
Slowenien
Slowenien ist bekannt für originelle Unterkünfte wie Baumhäuser, Weinfässer, Zidanica (Kellerstöckl) oder Glamping. Was hast du persönlich ausprobiert? Und was machte diesen Aufenthalt besonders?
Ich bin kein großer Fan von Glamping. „Zidanica” klingt schon besser, aber ich bevorzuge es, diese Orte in ihrer ursprünglichen Funktion zu erleben – also nicht, um dort zu übernachten, sondern um Wein zu verkosten, begleitet von Pršut, Salami, Bauernkäse, frischem Brot und was es halt sonst noch alles gibt.
In welches Hotel würdest du persönlich gerne einchecken? Vielleicht sogar in ein bestimmtes Zimmer?
Die Vila Bled ist ein ganz besonderes, nostalgisches Hotel aus den 1950er Jahren, das, wenn es nicht für staatliche Empfänge und offizielle Gäste der Republik Slowenien genutzt wird, allen offensteht. Man sollte unbedingt ein Zimmer mit Seeblick wählen. Ein ziemlicher Kontrast dazu ist die Ruška koča, ein ehemaliges Jagdhaus nahe Maribor – für mich ebenfalls ein sehr schöner, ruhiger Ort für eine entspannte Auszeit.
Cesta svobode 18
4260 Bled
Slowenien
Frajhajm 64
2208 Pohorje
Slowenien
Was war deine letzte spannende Begegnung mit Kunst und wo hat sie stattgefunden?
Da fallen mir zuallererst die wunderschönen Keramiken von Bojana Ristevski ein. Ich habe ihre Arbeiten auf der sechsten Triennale zeitgenössischer Keramik „Unicum VI“ entdeckt, die noch bis 15. Oktober 2026 im Nationalmuseum Sloweniens zu sehen ist.
Wo findest du Einrichtungsstücke oder Designobjekte, die einzigartig und nicht massenproduziert sind?
In Antiquitätengeschäften, bei Handwerker*innen und auf verschiedenen Kunstmessen. Im slowenischen Keramikdesign gibt es derzeit eine Art Renaissance; Salto Dionys ist dabei ein besonderer Favorit von mir. Es ist keine klassische Marke im herkömmlichen Sinn, sondern ein mikrohandwerkliches Design- und Keramikstudio, gegründet von dem Designer Rok Oblak.
Rimska cesta 3
1000 Ljubljana
Slowenien
Kraftplätze in Slowenien: Wo kannst du in der Natur am besten abschalten?
Beim Schwimmen in einem Bergsee oder einem Fluss. Oder beim Spazierengehen mit dem Hund an einem nebligen Wintermorgen entweder auf dem Burgberg in Ljubljana oder im Ljubljansko Barje, dem Moor südlich der Stadt. Generell macht es einem die überschaubare Größe Sloweniens leicht, spontan ins Grüne zu fahren und in kurzer Zeit Erholung zu finden.
Wo hast du zuletzt einen Abend verbracht, bei dem das Zusammenspiel von Küche, Atmosphäre und Location etwas Besonderes geschaffen hat?
Im Restaurant Špajza in der Altstadt von Ljubljana und in der Gostilna Cajnarje – die sich, trotz der abgelegenen Lage zu einem kulinarischen Geheimtipp entwickelt hat. Vor allem wegen der modern interpretierten slowenischen Küche und dem sorgfältig ausgewählten Angebot an Naturweinen.
Gornji trg 28
1000 Ljubljana
Slowenien
Cajnarje 2
1380 Cerknica
Slowenien
Wo entspannen du und deine Kolleg*innen nach der Arbeit gerne bei einem Bier oder Cocktail?
Für ein Bier nach der Arbeit ist Projekt Pivovarna unsere erste Wahl, gefolgt von der LP Bar oder dem Sax, einem Pub mit Jazz- & Live-Musik. Für einen oder zwei – oder drei – sehr gute Cocktails gehen wir ins Silk & Fizz.
Pivovarniška ulica 2
1000 Ljubljana
Slowenien
Eipprova ulica 7
1000 Ljubljana
Slowenien
Novi trg 2
1000 Ljubljana
Slowenien
Krojaška ulica 3
1000 Ljubljana
Slowenien
Wenn es ums Nachtleben geht: Wo beginnt für dich der Abend in Ljubljana normalerweise und wo endet er meist?
Das hängt von der Jahreszeit ab. Wenn ich am Wochenende in Ljubljana bin, könnte es ein Filmabend im Kinodvor oder in der Kinoteka sein, dann ein oder zwei Bars – und zum Abschluss ein Burek beim Stadion Olimpija.
Und wo gehst du zum Tanzen hin?
Vor einigen Jahren wäre es noch Metelkova gewesen, heute bevorzuge ich das Kino Šiška, ein ehemaliges Filmtheater aus den 1960er-Jahre, Treffpunkt der Musik- und Subkulturszene.
Trg prekomorskih brigad 3
1000 Ljubljana
Slowenien