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Portait: Sepp Ellgass vor seinem Hotel Ellgass
© Hotel Ellgass

Insidertipps Allgäu: Sepp Ellgass vom Hotel Ellgass 

Sepp Ellgass führt den Familienbetrieb mit einem feinen Gespür für Tradition und Zeitgeist. Die Wurzeln seiner Gastwirtschaft „Das Ellgass“ reichen über 500 Jahre zurück, 2017 kam ein Hotel dazu – als bewusster Schritt in die Zukunft. Hier verrät er seine Lieblingsplätze im Allgäu.

Sandra Piske

Das Fleisch im Restaurant stammt aus der eigenen Rinderzucht, der Fisch ausschließlich aus der Region. Im Hotel Ellgass setzt Sepp auf eine nachhaltige Bauweise und natürliche Materialien. Mit den E-Bikes für die Gäste kam eine noch tiefere Naturverbundenheit in sein Leben. Er stieg selbst aufs Rad und erkundete die Gegend. Heute sagt er: „Radfahren ist für mich das Schönste.“

Also haben wir Sepp nach Orten gefragt – Strecken, Zwischenstopps und schönen Momenten – die man nicht einfach googeln kann. Er nimmt uns mit zu seinen liebsten Plätzen rund um seinen Heimatort Argenbühl-Eglofs und zeigt, wie er das Allgäu heute am liebsten erlebt: vom Fahrradsattel aus.

Du hast über 1.000 Kilometer Radweg vor der Tür. Wie soll man sich da für eine Strecke entscheiden?

Das stimmt, man kann hier in jede Himmelsrichtung radeln. Zum Alpsee oder an den Bodensee, Richtung Berge oder Oberschwaben. Ich sage immer, die Leute können ihr Auto hier abstellen und sieben Tage lang mit dem Fahrrad ständig etwas anderes erleben. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat unsere Gegend deshalb 2022 zur ADFC-Radreiseregion „Naturschatzkammern“ ausgezeichnet. Es gibt 13 thematische Rundtouren – zwischen 30 und 60 Kilometer. Da ist wirklich für jeden was dabei.

Wenn du bei dir am schönen Dorfplatz in Argenbühl-Eglofs losradelst – auf welche Strecke nimmst du uns mit?

Wir starten einfach ins Argental und sind sofort in einer anderen Welt. Das ist so ein Klassiker – aber eben nicht ohne Grund. Die Argen ist eine der letzten "wilden" Flusslandschaften im Voralpenland. Diese Strecke kannst du immer wieder fahren – weil die Landschaft jeden Tag anders aussieht. Und von dort aus über Maileichen hoch in den Osterwald. Da kannst du gleich prüfen wie fit du bist – da gibt es eine sehr steile Strecke.

Und dann? Wo stoppst du im Argental?

Ich nehme dann gern noch die Stadt mit, fahre nach Isny rein. Die Altstadt ist schön, der Marktplatz hat eine gute Atmosphäre. Ich würde jetzt nicht wegen eines bestimmten Restaurants hinfahren – eher wegen des Gesamtgefühls. Ich mache dort gerne einen Stopp und esse ein Eis.

Hast du so einen Ort, den man im Allgäu nicht sofort findet?

Ja, wenn du von Malleichen über Gestratz den Altenberg hochfährst – vorbei an der Schafherde, dann siehst du eine kleine Kapelle irgendwo auf der Anhöhe. Ich bin kein besonders religiöser Mensch, aber da halte ich jedes Mal an. Es ist ruhig, du hast Weitblick – und irgendwie ordnet sich alles kurz. Das sind die Orte, an denen mir immer wieder bewusst wird, wie schön es bei uns ist. Ich mache gar keine weiten Urlaub mehr. Wir haben so viel Schönheit und Möglichkeiten für einen Tapetenwechsel direkt vor der Tür.

Wo kehrst du als Gastronom und Local unterwegs im Allgäu selbst gerne ein?

Von der Kapelle kannst du über Röthenbach an der Kirche hinauf nach Ellhofen und dort links Richtung Oberreute abbiegen. Oben wartet ein wunderschönes Bänkchen – perfekt für eine kurze Pause mit Blick übers Westallgäu. Von dort sind es noch zwei Kilometer zu einer Sennerei, die traditionell Käse- und Milchprodukte herstellt – ganz ohne Zusatzstoffe. Das passt total zu meiner eigenen Philosophie. Sie benutzen ausschließlich Milch von den Kühen aus der Region – von hier beziehen wir den Käse und Joghurt für unser Hotelfrühstück. Mein Tipp: Für ein Stück Kuchen oder eine Käsebrotzeit einkehren.

Verrate uns deinen perfekten Zwischenstopp in Oberreute mit allem – Aussicht, Ruhe, Kaffee?

Von Maucher aus fährst du über Röthenbach an der Kirche hinauf nach Ellhofen und biegst dort links Richtung Oberreute ab. Oben wartet ein wunderschönes Bänkchen – perfekt für eine kurze Pause mit Blick übers Westallgäu. Wenn du die Runde verlängerst, kannst du weiter Richtung Stiefenhofen, Genhofen und Saneberg bis zum Paradies. Der Name ist hier Programm. Es gibt guten Kuchen und eine tolle Aussicht – und auf der Weide stehen im Sommer unsere Rinder.

Wo geht’s lang, wenn du einmal entspannt radeln willst?

Dann fahr ich nach Wangen im Allgäu. Das sind ungefähr zehn Kilometer von uns aus, aber du hast verschiedene Wege dorthin – durch kleine Orte, über Hügel, durch ruhige Strecken. Die Wege sind so gut gekennzeichnet, das kann man nicht verfehlen.

Und Wangen selbst ist einfach schön: die Altstadt, kleine Cafés und das ehemalige Landesgartenschaugelände. Wer dann doch auf den Geschmack nach mehr Kilometern kommt, kann die Tour „Alpenvorfreude“ weiterfahren – die hat gut 40 Kilometer und ist ein wirklich schönes Highlight.

Hast du noch einen Allgäu-Geheimtipp für uns?

Gestratz ist ein sehr cooler Ort, die haben ein Café im Pfarrhaus, das aber nur am Wochenende auf hat. Das muss man kennen.

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