24 Stunden Sorglosigkeit im Sans Souci Wien
Über das seltene Gefühl, mitten in der Stadt kurz aus ihr verschwunden zu sein: Zwischen Museumsquartier und Spittelberg trifft im Sans Souci französischer Esprit auf Wiener Charme. Ob weit gereist oder in Day Spa und Brasserie zu Gast in der eigenen Stadt: Ohne Sorgen fällt das Leben leichter.
Als ich aufwachte, schien Wien verwandelt. Heller, freundlicher, freier. Sorglos eben. Vielleicht lag’s daran, dass ich – und entschuldige den verhältnismäßig unspektakulären Einstieg in diese Geschichte – acht Stunden am Stück durchgeschlafen habe. Und ich schlafe seit ungefähr 2014 nicht mehr durch.
Das Boutique Hotel Sans Souci Wien verfügt in 49 seiner 71 Zimmer und Suiten über Betten mit einer Überlänge von mehr als zwei Metern, aus einem speziellen Pillow-Menü konnte ich mein bevorzugtes Kopfkissen wählen. Ruhig war die Nacht, die Luft klar, bezaubernd der Blick in den Innenhof mit den Balkonen der stattlichen Altbauten rundherum. Wer so aufwacht, dem gehört die Welt. Die zärtliche Eleganz des Hauses sorgt für ein Kribbeln im Bauch – fast wie frisch verliebt.
Einmal in Wien abtauchen, bitte!
Also erst einmal Kaffee. Den hole ich mir in der Veranda Brasserie & Bar im To-go-Becher und nehme ihn mit nach unten. Denn während andere Gäste im Urlaub direkt zum Schmausen schreiten, möchte ich wissen, ob das Hotelgym seinen Namen auch verdient.
Tut es. Der Fitnessraum des Sans Souci ist kein Feigenblatt mit einem einsamen Laufband, drei Hanteln und einer durchgewetzten Yogamatte. Hier darf ernsthaft geschwitzt werden. Treadmills, Rudergerät, Bikes, Kinesis und freie Gewichte, von Antonio Citterio designte Technogym-Geräte – und vor allem ausreichend Raum, um sich zu bewegen. Das Gym ist rund um die Uhr geöffnet. Ein kleines, aber entscheidendes Detail für alle, die schon einmal versucht haben, zwischen Frühstücksbuffet, Museumsbesuch und Abendessen noch schnell ein Training in den Urlaub zu quetschen.
Nach der Fitness in den Pool
Noch eindrucksvoller wird es ein paar Schritte weiter. Dort wartet ein richtiges Sportbecken. Mit 20 Metern Länge und 3,40 Metern Breite gehört er zu den längsten Hotelpools in Wien. 27,5 Grad Wassertemperatur sind kühl genug für ordentliche Bahnen und warm genug, um auch mal eine Pause einlegen zu können. Über der Wasseroberfläche funkeln Kristallluster von Viabizzuno. Das Licht ist gedämpft, die Farben zurückgenommen, und spätestens beim dritten Hin und Her habe ich vergessen, dass über mir eine Großstadt gerade in den Arbeitstag startet.
Frühstück mit Prickel-Effekt
Jetzt kommt der Hunger. Und zwar ordentlich. Also wieder hinauf in die Veranda Brasserie & Bar, wo das Frühstück erfreulicherweise ähnlich unbekümmert mit Konventionen umgeht wie der Rest des Hauses. Gesund? Sehr gerne. Vernünftig? Kann man machen. Üppig? Unbedingt. Süß, salzig, warm, kalt, hausgemachte Spezialitäten, Salate, frische Säfte, Quiches und mediterrane Kleinigkeiten stehen am Buffet bereit, Eierspeisen werden frisch bestellt und à la minute serviert.
Dazu Wiener Kaffee – und Champagner. Ein Glas davon gehört hier zum Frühstück. Ich liebe Hotels, die verstanden haben, dass es dafür keine gesellschaftlich verbindliche Uhrzeit gibt. Draußen rumpelt Wien in den Tag, drinnen perlt Frankreich im Glas. Wie beim Frühstückt wirkt alles hier durchdacht und mit genau jener kleinen Portion Extravaganz, die aus einem gewöhnlichen Dienstagmorgen einen Urlaubstraum machen. Vieles, was auf den Tellern landet, ist typisch Wien, Saisonalität zieht sich durch die Küche. Ich lehne mich zurück. Noch ein Kaffee. Vielleicht noch etwas vom Buffet. Ganz sicher noch ein Schluck Champagner. Da kann Wien draußen ausnahmsweise ein paar Minuten warten.
Hotel voll Kunst mitten im Siebten
Ein bisschen Frankreich steckt hier ohnehin überall. Schon der Name macht keinen Hehl daraus: sans souci, ohne Sorge. Savoir-vivre mitten im Siebten, aber ohne den Versuch, Wien als Paris zu verkleiden. Dafür ist die Stadt vor der Haustür viel zu präsent. Gegenüber liegt das MuseumsQuartier, ums Eck beginnt der lebhafte Spittelberg, ein paar Schritte weiter warten Volkstheater, Ringstraße und Hofburg. Kaum ein Grätzel schafft den Spagat zwischen Hochkultur und Gemütlichkeit wie dieses.
Auch drinnen wird munter durchgemischt. Wiener Altbau treffen Designerstücke auf Antiquitäten, Samt auf Stuck, zeitgenössische Kunst auf historische Substanz. Eigentümer Norbert Winkelmayer ist Kunstsammler, 90 originale Werke, viele davon von Roy Lichtenstein, hängen im ganzen Haus. Für das Interior Design wurde YOO engagiert, das von Philippe Starck und John Hitchcox gegründete Designstudio. Damit die Atmosphäre stimmt, wurde nichts dem Zufall überlassen.
Wien, Du Perle des Friedens!
Mich zieht es an die frische Luft. Die Sonne wärmt, am Spittelberg wuselt es bereits, im MuseumsQuartier wird gesessen und geplaudert. Mittendrin entdecke ich einen riesigen Spiegel. „This is what people living in peace look like“, steht darauf. The Mirror of Peace heißt die Installation der niederländischen Künstlerin Renee van Bavel im Haupthof.
Janinas Insidertipp: Wenn du davor stehst, betrachtest du nicht nur ein Kunstwerk, sondern wirst selbst zu einem Teil davon. Also fotografiere ich mich. Natürlich. Und dann bleibe ich doch länger stehen als für ein Selfie notwendig wäre. So sehen also Menschen aus, die in Frieden leben. An einem sonnigen Tag, ausgeschlafen, austrainiert, satt, mit Champagner im Blut und ohne einen dringenden Termin im Kalender bekommt der Satz eine unglaubliche Wucht. Frieden als Privileg. Nicht als Selbstverständlichkeit.
Day Spa im Sans Souci Wien
Irgendwann drehe ich wieder um, denn ich habe eine Verabredung. Eine Freundin wartet bereits an der Rezeption im Sand Souci auf mich. Von der geschäftigen Burggasse hinein in den rundlichen Empfangsbereich, über dem ein gewaltiger Kristallluster schwebt. Das ist ein ordentlicher Szenenwechsel. Vor mir: Blumen, Kunst, eine elegant geschwungene Rezeption, freundliche Gesichter und meine vorfreudige Freundin. Sie hat keinen Koffer dabei, kein Zimmer gebucht und wird heute Nacht auch nicht hier schlafen. Muss sie auch nicht. Denn das Spa im Sans Souci gehört zu jenen erfreulichen Refugien, die ihre Türen (limitiert) auch für Wiener*innen und externe Gäste öffnen. Bademantel an, Telefon weg - jetzt sind wir beide offiziell nicht mehr erreichbar.
Rund 450 Quadratmeter Sinnesrausch liegen vor uns. Zwei Saunen, Dampfbad, Eisbrunnen und Eisdusche, drei Ruheräume und natürlich dieser herrliche 20-Meter-Pool, den ich am Morgen schon für mich entdeckt habe. Wir schwimmen, saunieren, reden, schweigen, liegen herum. Hier kannst du kurz mal aus der Hektik der Stadt verschwinden.
Veranda Brasserie & Bar: Geschmackskunst am Teller
Irgendwann müssen wir unsere Bademäntel dann doch wieder gegen Kleidung tauschen. Doch die Sorglosigkeit wechselt nur das Stockwerk. Es geht zurück in die Brasserie. „Modern Art for All Senses“ nennt sich das kulinarische Konzept. Küchenchef Stephan Luksch und sein Team denken österreichische Küche zeitgemäß und sind sehr wählerisch bei den Produkten. Die kommen bevorzugt aus der Nähe. Rund 20 ausgewählte Manufakturen aus Wien und Umgebung beliefern das Sans Souci, vieles davon biozertifiziert. Das Brot kommt von Joseph, Fleisch von Höllerschmid aus Niederösterreich, Bio-Angus und Wild vom Esterházy-Landgut Pannatura im Burgenland, Fisch und Gemüse unter anderem von Blün aus Wien. Dort wachsen – ziemlich genial – Fisch und Gemüse in einem Aquaponik-Kreislauf miteinander.
Uns wird „Alpenkaviar“ serviert. Österreichischer Störkaviar, gewonnen von Sibirischem Stör und Sterlet, die im kristallklaren Quellwasser der Kalkalpen aufwachsen. Mild gesalzen, fein nussig, kleine glänzende Perlen, die auf der Zunge zerplatzen. Es gibt Lebensmittel, bei denen Bescheidenheit wirklich fehl am Platz ist. Und erst das Steak! Außen kräftig gebraten, innen so, wie man es bestellt hat, nämlich rosa. Die Küchenphilosophie schmeckt: Gute Produkte müssen nicht unter möglichst vielen Ideen begraben werden. Elegant, aber nicht kompliziert.
Genießen und verweilen im Wiener Stadthotel
Wir bestellen noch etwas, das eigentlich gar nicht mehr notwendig gewesen wäre, nämlich ein cremiges Marillen-Tiramisu. Herrlich, die Zeit vergeht und du merkst es erst, wenn es draußen dämmert nach und nach die Lichter angehen.
Ich verabschiede mich auf die Burggasse, gehe nach 24 Stunden im Hotel Sans Souci zu Fuß Richtung Naschmarkt und dann quer durch die Altstadt. Glückliche Menschen sitzen in vollen Schanigärten, Gläser klirren, Fahrräder ziehen vorbei, Musik ist zu hören. Vielleicht lag es am Champagner. Vielleicht am 20-Meter-Pool. Vielleicht an acht ungetrübten Stunden Schlaf. Am Morgen noch hatte ich in einen Spiegel geschaut, auf dem stand, wie Menschen aussehen, die in Frieden leben. Jetzt sehe ich sie überall. Sorglosigkeit. Nicht nur für 24 Stunden. Mehr davon, bitte. Hier und überall.
Warum wir das Sans Souci für Locals empfehlen
Weil du das Boutiquehotel am Spittelberg als dein eigenes Stadt-Escape nutzen kannst: Am Wochenende kommst du von 11 bis 14 Uhr zum Veranda Frühstück mit Buffet, À-la-carte-Gerichten, Kaffe, Smoothie und natürlich einem Glas Champagner (55 Euro pro Person). Oder du reservierst dir zwei oder besser gleich vier Stunden Day Spa samt Pool, Spa, Fitness, Bademantel, Slipper, Badetücher und Kosmetik (ab 59 Euro). Urlaubsfeeling in Wien geht auch für Wiener*innen.