Griechenland

Insider Athen: Varvara Christopoulou

Architektin Varvara Christopoulou zieht sich auf die Dächer Athens zurück, wenn sie vor dem Alltagsstress fliehen will. Überhaupt hat sich ihre Stadt in den letzten Jahren sehr verändert.

Architektin Varvara Christopoulou zieht sich auf die Dächer Athens zurück, wenn sie vor dem Alltagsstress fliehen will. Überhaupt hat sich ihre Stadt in den letzten Jahren sehr verändert.

Wie erleben Sie Athen momentan?
In Athen zu leben, war in den vergangenen Jahren nicht immer einfach. Nach wie vor genieße ich es aber, durch die Stadt zu gehen und den faszinierenden Wandel hautnah zu erleben. Mein Zugang zu Design ist stark durch die Besonderheiten der griechischen Stadt und die Qualitäten der mediterranen Landschaft geformt.

Haben Sie von irgendwelchen Neueröffnungen gehört?
Es ist nicht wirklich neu, aber die ad-hoc-Besetzung des stillgelegten Green Park-Cafés (Mavromataion 22) ist ein typisches Beispiel für die dynamische Kunstszene der Stadt.

Sie haben einen hölzernen Wohnwürfel kreiert, den man auf die Dächer der Stadt stellen kann, um ganz für sich allein zu sein. Wo ist Athen sonst noch privat?
Viele Jahre lang war der beliebteste Platz in der Stadt das kleine Loumbardiaris-Café von Dimitri Pikionis am Filoppapou-Hügel bei der Akropolis. Leider ist es seit einiger Zeit nicht mehr in Betrieb, aber trotz allem ein wunderschöner, versteckter Platz abseits der Touristenmassen.

Abgesehen von Privatsphäre-Schaffen: Welchen anderen Trend machen Sie in der Architektur aus?
Es schaut so aus, als wäre jetzt die richtige Zeit, alles neu zu denken und die Gebäude aus den 1960er- und 70er-Jahren zu renovieren. Viele der interessanten, neuen Beispiele und Designtrends sind mit der Architektur des 20. Jahrhunderts und der Neuauflage ihrer Gebäude verbunden. Neu ist auch die Bottom-up-Strategie, die die lokale Bevölkerung in den Designprozess einbindet. Letztes Jahr haben wir eine Ausstellung, „Adhocracy“, gestaltet und viele interessante, provokante Beispiele dieser neuen Designphilosophie gezeigt. Sie ist eng mit den Ideen der Bürger verbunden.

Wo in Athen haben Sie sich vor Kurzem gedacht “wow, wirklich großartig”?
Bei „Traces of commerce“ (Gallery of Merchants, Voulis 8-10), einem tollen Experiment, das im vergangenen Jahre in einer der wunderschönen Arkaden Athens stattgefunden hat. Viele dieser faszinierenden Plätze sind seit Ausbruch der Wirtschaftskrise verwaist. Eine Gruppe von Designern, Puppentheaterkünstlern, Handwerkern und anderen Kreativen haben diese kleinen Arkadenshops für ihre Zwecke benutzt und Events organisiert, um der verlassenen Gegend wieder Leben einzuhauchen.

Was ist eigentlich Ihr Lieblingsgebäude in der Stadt?
Meine Lieblingsplätze sind meist mit moderner Architektur aus den 1960er-Jahren verbunden, so wie das Atelier Spiteri (Kykladon 6) von Aristomenis Provelenghios. Er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit und ein talentierter Designer, der viel mit Le Corbusier zusammengearbeitet und nur wenige Gebäude in Athen gebaut hat. In den letzten Jahren wurde das Atelier Spiteri als Kunstgalerie verwendet.

In welchem Restaurant hatten Sie in der letzten Zeit ein richtig gutes Abendessen?
Im Ama Laxei (Kallidromiou 66). Dieses Restaurant liegt in einer alten Volksschule in Exarchia und hat einen wunderschönen Hof.

Wo gönnen Sie sich einen Lunch zwischendurch?
Der Dexameni-Platz ist einer der schönsten öffentlichen Plätze in Athen. Eine römische Zisterne, ein Spielplatz, ein Open-Air-Kino und ein altes Café-Restaurant. Das passt perfekt für einen schnellen Lunch und ein ungezwungenes Abendessen mit Freunden.

Haben Sie auch eine Lieblingsbar?
Ich mag die Athener Terrassen und das Yperokeanio (Perikleous 46). Das schaut aus wie ein Bootdeck und hat eine versteckte Terrasse.

Welches Hotel in der Stadt empfehlen Sie für einen unvergesslichen Aufenthalt?
Ich denke, die beste Empfehlung ist immer noch das Hilton Athens (Leof. Vasilissis Sofias 46). Das ist freilich kein Geheimtipp, aber eines der besten Beispiele des Athener Modernismus der 1960er-Jahre. Eine tolle Aussicht auf die Stadt hat man da auch.

Und welches Theater?
Das Romantso (Anaxagora 3) sollten Sie nicht auslassen! In den 1970ern wurde dort ein Familienmagazin gedruckt. Heute ist es eine Bar und ein Kulturzentrum mit Konzerten und Ausstellungen in der Nähe des Omonoia-Platzes.

Klingt nach guter Unterhaltung: Wo gehen Sie sonst hin, wenn Sie Spaß haben wollen?
Eine besonders tolle Erfahrung bieten die Open-Air-Kinos wie das Cine Dexameni (Dexameni-Platz) und Athinaia (Charitos 50). Ziemlich versteckt, zwischen den Balkonen der Apartmenthäuser schaut man dort gemeinsam mit den Bewohnern Kinofilme.

Für manche ist Shoppen auch Unterhaltung: An welchem Laden kommen Sie nicht vorbei?
Koukoutsi (Skoufa 81) ist ein sehr kleines Geschäft mit T-Shirts und Accessoires von cleveren griechischen Designern. Die T-Shirt-Serie mit kultigen Athener Gebäuden ist sehr berühmt und muss man gesehen haben.

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